Co-Creation-Workshop: eine Wand voller Klebezettel mit Hürden und Ideen
Deutsches Rotes Kreuz · real talk

Anonyme Hilfe unter Gleichaltrigen als erster Schritt zur Schulsozialarbeit

Ein fünftägiger Co-Creation-Sprint mit dem Deutschen Roten Kreuz, aus dem realtalk.help wurde — anonyme Hilfe unter Gleichaltrigen als niedrigschwelliger erster Schritt zur Schulsozialarbeit, bundesweit ausgerollt.

Zeitraum · 10-Tage-Sprint Rolle · Sprint Master Kunde · Deutsches Rotes Kreuz Werkzeuge · Figma & Papier Status · Bundesweit live
real-talk-Website — Wenn niemand für dich da ist, sind wir es.

Die Herausforderung

Schulsozialarbeit hilft — aber sie erreicht viele junge Menschen nicht. Scham, hohe Hürden und fehlende Anonymität halten genau die zurück, die Unterstützung am dringendsten brauchen. Wie macht man Hilfe radikal erreichbar — anonym, niedrigschwellig und vertrauenswürdig?

Wie könnten wir …

… Schulsozialarbeit radikal erreichbar machen — ohne die Aufsichtspflicht des Roten Kreuzes zu verletzen?

Unser Vorgehen

In einem fünftägigen Sprint mit Schülerinnen und Schülern, Sozialarbeitenden und Fachleuten haben wir die tatsächlichen Hürden kartiert und „real talk" gebaut: anonyme Hilfe unter Gleichaltrigen, im Hintergrund abgesichert durch Fachkräfte des Roten Kreuzes — in der Sprache junger Menschen.

Leitgedanke: Anonymität als Gestaltungsprinzip. Ein geführter Ablauf, der sich bei jedem Schritt das nächste kleine „Ja" verdient.

Die Methode — ein 5-Tage-Design-Sprint

Fünf Tage — Workshop, Prototyp, Usability-Test.

2 Tage

Workshop

Gemeinsam verstehen, Ideen entwickeln und entscheiden — Schülerinnen und Schüler, Sozialarbeitende und Fachleute in einem Raum.

2 Tage

Design & Prototyp

Einen realistischen Prototyp der gewählten Lösung bauen.

1 Tag

Usability-Test

Mit jungen Menschen testen — echtes Feedback vor der Umsetzung.

01

Welche Probleme haben wir?

Qualitative Forschung

Was wir gehört haben — sechs Themen, nach Stimmen sortiert.

Wir haben die rohen Stimmen aus dem Sprint zu Themen geclustert und dann beide Gruppen per Klebepunkt abstimmen lassen, was am meisten zählt — jede teilnehmende Person mit derselben Anzahl Punkte. Es folgte eine zweite Runde mit je drei weiteren Stimmen, um die endgültige Priorität zu klären. Die Zahlen unten fassen beide Runden zusammen, deshalb kommen die Gruppen nicht auf dieselbe Summe. Wo junge Erwachsene und DRK-Sozialarbeitende auseinanderlagen, wurde der Unterschied selbst zum Gestaltungshinweis.

4 junge Erwachsene, Schülerinnen und Schüler 2 DRK-Sozialarbeitende & 2 regionale Sozialmanager
01Anonym Kontakt aufnehmen13Stimmen
4 junge Erwachsene9 Sozialarbeitende
  • „Ich schäme mich, bedürftig zu sein."
  • „Ich will nicht, dass meine Mitschüler hören oder sehen, wie ich um Hilfe bitte."
  • „Man kann nicht anonym um Hilfe bitten."
02Hürde zur Kontaktaufnahme10Stimmen
5 junge Erwachsene5 Sozialarbeitende
  • „Die große Hemmschwelle vor dem ersten Hilferuf."
  • „Hilfsangebote gibt es außerhalb der Schulzeit nicht."
  • „Ich weiß nicht, wie ich die Schulberatung erreiche."
  • „Während der Schulzeit ist keine Zeit, zur Beratung zu gehen."
  • „Wie nehme ich Kontakt zu den Eltern auf?"
03Hilfe unter Gleichaltrigen8Stimmen
4 junge Erwachsene4 Sozialarbeitende
  • „Junge Erwachsene als Beratende einbinden — sie sind näher an der Zielgruppe."
  • „Junge Menschen dabei unterstützen, Gleichaltrigen zu helfen."
  • „Junge Menschen dafür sensibilisieren, dass es sinnvoll ist, Bedürftige zu unterstützen."
04Beliebte Medienangebote junger Menschen5Stimmen
3 junge Erwachsene2 Sozialarbeitende
  • „Keine Anbindung an die Kanäle, die junge Erwachsene ohnehin nutzen — YouTube, TikTok, WhatsApp."
05Hilfsangebote & Wirkung4Stimmen
1 junger Erwachsener3 Sozialarbeitende
  • „Die Hilfsangebote richten sich vor allem auf Lösungen."
  • „Habe ich wirklich alle jungen Erwachsenen im Blick?"
  • „Es fehlt die persönliche Bindung für Menschen, die häufig um Hilfe bitten müssen."
  • „Hilfe für junge Erwachsene in einer Phase, in der sie nicht mit jedem reden wollen."
06Datenschutz1Stimme
1 junger Erwachsener0 Sozialarbeitende
  • „Ich will, dass meine Daten sicher sind."
02

Was sollten wir zuerst lösen?

Point of View (POV)

Von der Forschung zu scharfen Problemstellungen.

Ein Point of View ist eine klare, knappe Problemstellung. Er verbindet den Nutzer, sein konkretes Bedürfnis und eine überraschende Erkenntnis aus der Forschung — und hält den gesamten Designprozess darauf ausgerichtet, das richtige Problem zu lösen.

Zu nehmende Hürden: die technischen, rechtlichen, mentalen und organisatorischen Barrieren, die eine Schülerin unter 18 überwinden muss, bevor sie eine DRK-Sozialarbeiterin erreicht

Drei Problemstellungen — priorisiert

Priority 1 Wie könnten wir

… jungen Menschen ermöglichen, sich völlig anonym zu melden, damit Scham den ersten Schritt nie blockiert?

Anonymität
Priority 2 Wie könnten wir

… die Hürde zur ersten Kontaktaufnahme senken, damit um Hilfe zu bitten mühelos wirkt?

Niedrige Hürde
Priority 3 Wie könnten wir

… Schülerinnen und Schüler einander unterstützen lassen — auf Augenhöhe, in ihrer eigenen Sprache?

Hilfe unter Gleichaltrigen
03

Ideen für eine Lösung sammeln

Ideenfindung · Health Journey

Ideen entlang der Kontaktreise entwickeln.

Health Customer Journey: Kontaktpunkte mit den entlang des Prozesses zugeordneten Ideen

Ideen, jedem Kontaktpunkt der Health Journey zugeordnet — für Details das Vollbild öffnen.

04

Belegtes Konzept

Die Lösung

Vier Screens, ein niedrigschwelliger Weg zur Hilfe.

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Ergebnis

Aus dem 10-Tage-Sprint wurde ein bundesweit genutztes Angebot: anonym erreichbar, von echten Fachkräften getragen und in der Sprache junger Menschen. Aus einem Prototyp wurde eine echte Anlaufstelle.

Über das Projekt

realtalk.help ist für und mit dem Deutschen Roten Kreuz entstanden. Im Mittelpunkt: Anonymität, Vertrauen unter Gleichaltrigen und ein Ablauf, der sich jeden nächsten Schritt verdient.

Hol dir Hilfe, behalt es nicht für dich.

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Wenn ich es noch einmal machen würde
„Eine Entscheidung pro Screen hat alles verändert. In dem Moment, in dem wir aufhörten, alles auf einmal zu fragen, fingen junge Menschen an zu reden — anonym, aber echt."
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